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Bewerbung

Nachrücker-Zahlen Medizin: So viele Plätze wurden im WS 25/26 wirklich frei

Wie viele rücken beim Medizinstudium wirklich nach? Wir haben die hochschulstart-Daten fürs WS 25/26 ausgewertet: je Quote und je Uni. Die Zahlen im Überblick.

Kevin Kumar
Kevin Kumar

    Der Großteil der Bewerber:innen bekommt seinen Platz im normalen Vergabeverfahren, das fürs Wintersemester Ende August endet. Für alle, die bis dahin leer ausgehen, beginnt danach die nervenaufreibendste Phase der ganzen Bewerbung: warten, hoffen, täglich ins Portal schauen. Spätestens ab Anfang September oder Anfang März, nach der Portalsperre, wird das für alle, die nur haarscharf an der Grenze vorbeigeschrammt sind, zur Zerreißprobe. Die Grenzwerte im 1000er-Bereich machen es dabei fast unmöglich, die eigene Lage realistisch einzuschätzen. Deshalb haben wir uns durch die umfangreiche Datenlage von hochschulstart gewühlt und ausgewertet, wie viele Plätze beim Nachrücken tatsächlich neu vergeben werden. Dieser Artikel zeigt dir die Nachrücker-Zahlen fürs Wintersemester 25/26, je Quote und je Universität. Außerdem legen wir offen, wie wir gerechnet haben. Ein großes Danke vorab an Ritsch aus der Community: Er hat sich die Zeit genommen, die Datenlage durchzugehen. Erst dadurch konnten wir das Nachrücken so genau berechnen.

    Das Wichtigste in Kürze

    • Unsere Nachrücker-Zahlen zeigen: Im WS 25/26 wurde in der Abiturbestenquote (ABQ) etwa jeder vierte Platz nachträglich neu vergeben.
    • Über alle 41 Universitäten hinweg gab es 1.483 Zulassungen mehr als geplante Startplätze: +696 in der ABQ, +686 im AdH, +101 in der ZEQ.
    • In der ABQ standen ca. 2.531 Plätzen am Ende 3.227 Zulassungen gegenüber, im AdH 5.747 Zulassungen bei ca. 5.061 Plätzen.
    • Die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) bewegte sich am wenigsten: 946 Zulassungen auf 845 Plätze.
    • Knapp am Grenzwert vorbei heißt also nicht raus. Gerade in der ABQ ist die Chance auf das Nachrücken real.
    🙏

    Danke an Ritsch aus der Community: Er hat uns auf die Datenlage aufmerksam gemacht. Gemeinsam mit ihm konnten wir das gesamte Nachrücken durchrechnen und überprüfen.

    Die Nachrücker-Tabelle fürs WS 25/26

    Die Tabelle zeigt je Universität, wie viele Plätze pro Quote zusätzlich vergeben wurden, weil sie im Verfahren frei wurden und neu besetzt werden mussten. Wie wir diese Werte berechnet haben, liest du weiter unten im Artikel.

    UniversitätABQAdHZEQGesamt
    Aachen RWTH+5+15+4+24
    Augsburg U+10+25+6+41
    Berlin Charité+20+10+1+31
    Bielefeld U+4+9+1+14
    Bochum U+21+36+4+61
    Bonn U+10+70+17
    Dresden TU+8+13+2+23
    Dresden/Chemnitz TU+4+90+13
    Duisburg-Essen U+9+110+20
    Düsseldorf U+6+26+3+35
    Erlangen-Nürnberg U+12+21+3+36
    Erlangen-Nürnberg/Bayreuth U+6+10+3+19
    Frankfurt am Main U+20+23+2+45
    Freiburg U+27+70+34
    Gießen U+14+20+5+39
    Göttingen U+9+9+1+19
    Greifswald U+15+23+6+44
    Halle-Wittenberg U+23+28+2+53
    Hamburg U+22+2+2+26
    Hannover MedH+16+60+22
    Heidelberg U+13+23+1+37
    Heidelberg/Mannheim U+15+26+7+48
    Jena U+36+22+2+60
    Kiel U+12+110+23
    Köln U+14+13+3+30
    Leipzig U+11+37+6+54
    Lübeck U+15+9+1+25
    Magdeburg U+17+240+41
    Mainz U+9+7+2+18
    Mainz/MC Trier U+2+10+3
    Marburg U+37+27+13+77
    München U+104+46+4+154
    Münster U+8+80+16
    Oldenburg U+3+2+1+6
    Regensburg U+21+12+1+34
    Regensburg/MCN U+8+6+2+16
    Rostock U+29+50+6+85
    Saarbrücken U+40+24+4+68
    Tübingen U+11+60+17
    Ulm U+22+190+41
    Würzburg U+9+5+2+16
    GESAMT (alle 41 Unis)+696+686+101+1.483

    So liest du die Tabelle: Ein Wert von 0 bedeutet, dass jede Zulassung angenommen wurde. In dieser Quote wurde also kein Platz nachträglich neu vergeben. Die Spalte Gesamt zeigt, wie viele Plätze insgesamt über alle drei Quoten neu vergeben wurden. Je höher der Wert, desto mehr Bewerber:innen kamen an dieser Uni erst nach der ersten Vergaberunde zum Zug.

    Über alle 41 Universitäten hinweg summiert sich das Nachrücken damit auf 1.483 Plätze, die neu vergeben wurden. Auffällig sind vor allem München (+154), Rostock (+85) und Marburg (+77), während etwa Oldenburg (+6) oder Mainz/MC Trier (+3) kaum Bewegung zeigten.

    Ob du selbst nah genug an einer dieser Grenzen liegst, hängt von deinem Rang je Uni und Quote ab. Deine persönliche Position kannst du dir mit dem NC-Rechner direkt berechnen.

    Warum Nachrücker-Zahlen so schwer zu finden sind

    Offizielle Nachrücker-Zahlen je Universität veröffentlicht hochschulstart nicht direkt. Es gibt nur die Gesamtzahl der Zulassungen. Die allein verrät jedoch nicht, wie viele davon durch das Nachrücken zustande kamen.

    Genau deshalb bleibt das Nachrücken für Bewerber:innen eine Blackbox. Wie dieses Verfahren grundsätzlich abläuft, erklärt das Nachrückverfahren Medizin. Hier geht es um die Frage dahinter: In welcher Größenordnung spielt sich das Nachrücken überhaupt ab? Dafür haben wir die historischen Daten vom Wintersemester 24/25 bis zum Sommersemester 2026 analysiert.

    Die Logik hinter den Nachrücker-Zahlen

    Um das Nachrücken an den Unis zu verstehen, muss man das Zulassungssystem allerdings erst in seine Einzelteile zerlegen. Genau dieses Hintergrundwissen wird oft vernachlässigt. Deshalb gehen wir die Rechnung hier Schritt für Schritt durch.

    Schritt 1: Von der Gesamtplatzzahl zur Quote

    Die Platzzahl auf der Uni-Website ist nicht die Zahl, die in der Auswahl tatsächlich ankommt. Die Plätze schrumpfen vorher schrittweise durch feste Vorab-Abzüge:

    1. Der internationale Abzug: Zuerst fallen etwa 5 % der Plätze für internationale Bewerber:innen weg. In Aachen gingen im WS 25/26 zum Beispiel 13 von 288 Plätzen direkt an internationale Studierende.
    2. Die Vorabquoten: Zusammen mit dieser internationalen Quote gehen bis zu 20 % der Plätze in diverse Vorabquoten auf, etwa für Härtefälle, die Landarztquote oder ein Zweitstudium.
    3. Der 30-10-60-Schlüssel: Erst was nach diesen Abzügen übrig bleibt, verteilt sich strikt nach dem gesetzlichen Schlüssel: 30 % Abiturbestenquote, 60 % Auswahlverfahren der Hochschulen und 10 % Zusätzliche Eignungsquote.

    Wie stark diese Vorabquoten die Verteilung in der Praxis verzerren, zeigt die RWTH Aachen. Hier hat Ritsch euch als Beispiel Aachen durchgerechnet:

    Halbkreis-Diagramm der echten Platzverteilung an der RWTH Aachen im WS 25/26: 48 % AdH, 24 % ABQ, 8 % ZEQ, der Rest geht in Vorabquoten

    Das Ergebnis: Die ABQ schrumpft von theoretisch 30 % auf real 24 % zusammen. Statt 60 % AdH bleiben nur noch 48 % der Plätze übrig. Aus theoretisch 10 % ZEQ werden am Ende magere 8 %.

    Nachrücker-Zahlen je Quote: Wo gab es die meisten Chancen?

    Im WS 25/26 war die Bewegung in der ABQ am größten: Dort wurde etwa jeder vierte vergebene Platz nachträglich wieder frei und neu besetzt. Das AdH bewegte sich spürbar weniger, die ZEQ am wenigsten.

    Im Detail zeigten sich bei der Vergabe grundverschiedene Dynamiken zwischen den einzelnen Hauptquoten:

    Abiturbestenquote (ABQ): die höchste Dynamik. Hier war die Bewegung am massivsten: Bei ca. 2.531 Plätzen gab es am Ende 3.227 Zulassungen. Das bedeutet, dass etwa jeder vierte vergebene Platz nachträglich wieder frei wurde und über das Nachrückverfahren neu besetzt werden musste. Das wichtigste Learning daraus: Auch wer den NC-Grenzwert in der ABQ knapp verfehlt hat, hat dank dieser enormen Dynamik weiterhin eine sehr reale Chance auf einen Studienplatz.

    Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH): höheres Investment, weniger Bewegung. Hier standen 5.747 Zulassungen ca. 5.061 Plätzen gegenüber. Obwohl das AdH doppelt so viele Plätze vergibt wie die ABQ, war die relative Bewegung deutlich geringer. Warum? Naheliegend ist: Der Test für Medizinische Studiengänge (TMS), ein FSJ oder andere Dienste kosten im Vorfeld so viel Zeit, dass Bewerber:innen ihre Plätze später wesentlich bewusster und verlässlicher annehmen. Trotzdem gab es an einigen Standorten spürbaren Spielraum durch Nachrücker. Wer sich auf den TMS vorbereitet, findet bei tmsbuddies eine Einordnung, was diese AdH-Bewegung an den gefragtesten Studienorten konkret bedeutet.

    Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ): die starrste Quote. Hier sah es anders aus: Bei 946 Zulassungen auf 845 Plätze rückte nur ein geringer Anteil nach. Quoten mit hoher Gewichtung der Berufsausbildung (zum Beispiel 20+ Punkte) wirken wie regelrechte Festungen. Wer Jahre in eine Ausbildung investiert hat, nimmt den Platz fast ausnahmslos an. Das meiste Nachrücken in dieser Quote treiben daher eher die Unis, die den TMS in der ZEQ hoch gewichten. Quer durch die ZEQ gibt es trotzdem Nachrücken, nur tendenziell weniger.

    Was die Zahlen können und was nicht

    Die Berechnungen basieren auf historischen Daten früherer Semester. Sie sind ein Modell und keine Garantie für künftige Verfahren, denn als externe Analysten kennen wir nicht sämtliche internen Verteilungsschlüssel der Universitäten.

    Eine mathematische Annäherung schafft trotzdem deutlich mehr Klarheit als bloßes Hoffen. Du siehst, in welcher Größenordnung sich das Nachrücken je Quote und Uni abspielt. So kannst du deine Erwartungen realistisch setzen. Unser Ziel mit dieser Auswertung ist, die Blackbox der Zulassungszahlen Stück für Stück transparenter zu machen und die Prognosen dahinter stetig zu verbessern.

    Warum einzelne Werte leicht schwanken können

    Drei Faktoren lassen sich von außen nicht exakt berechnen:

    • Land- und Amtsarztquote: Die Verteilung dieser Plätze auf die einzelnen Unis ändert sich von Semester zu Semester leicht.
    • Vorwegzulasser: Wie sie sich am Ende genau auf die Unis verteilen, steht nur in den internen Ranglisten.
    • Interne Rundungen: Statt 60 % AdH rechnet eine Uni manchmal mit 59,8 %. Das verschiebt einzelne Werte um plus oder minus eins.

    Bei den Vorwegzulassern haben wir deshalb bewusst konservativ gerechnet, statt großzügig zu schätzen. Die Ergebnisse fallen eher zu vorsichtig aus als zu optimistisch.

    Warum sich der genaue Zeitpunkt deines Nachrückens trotzdem nicht vorhersagen lässt, liest du in Nachrücken Medizin: Wie stehen deine Chancen?

    Quellen: hochschulstart: aktuelle Veröffentlichungen und hochschulstart: Downloads.

    Wie viele Bewerber:innen rücken im Medizinstudium nach?

    Im WS 25/26 wurde in der Abiturbestenquote etwa jeder vierte Platz nachträglich neu vergeben (3.227 Zulassungen auf ca. 2.531 Plätze). Im AdH gab es 5.747 Zulassungen bei ca. 5.061 Plätzen, in der ZEQ 946 Zulassungen auf 845 Plätze.

    Wie viele Plätze wurden insgesamt über das Nachrücken neu vergeben?

    Über alle 41 Universitäten hinweg waren es im WS 25/26 insgesamt 1.483 Plätze: +696 in der ABQ, +686 im AdH und +101 in der ZEQ. Am meisten Bewegung gab es in München (+154), Rostock (+85) und Marburg (+77).

    In welcher Quote sind die Nachrück-Chancen am größten?

    In der Abiturbestenquote (ABQ) war die Bewegung im WS 25/26 mit Abstand am größten. Das AdH bewegte sich weniger, die ZEQ am wenigsten, vor allem dort, wo die Berufsausbildung hoch gewichtet wird.

    Was bedeutet eine 0 in der Nachrücker-Tabelle?

    Eine 0 heißt, dass alle Plätze schon im normalen Vergabeverfahren angenommen wurden. Hier gab es also in diesem Jahr keinen einzigen Platz mehr im Nachrückverfahren.

    Wie verlässlich sind die Nachrücker-Zahlen?

    Die Zahlen sind ein Modell auf Basis der offiziellen hochschulstart-Daten, bei den Vorwegzulassern bewusst konservativ gerechnet. Sie zeigen die Größenordnung des Nachrückens, sind aber keine Garantie für künftige Semester.